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Schulamoklauf
Einige Stunden nachdem ein Amokläufer in Alabama, USA, 10 Menschen tötete und sich danach mit seiner Waffe selbst richtete, betritt ein maskierter 17-jähriger in schwarzer Kampfausrüstung seine ehemalige Realschule in Winnden, Deutschland, um ein Blutbad anzurichten. 15 Menschen werden von dem jungen Mann erschossen und Unzählige verletzt bevor er in einem Schusswechsel mit der Polizei stirbt. Selbst wenn der Zeitpunkt ein Zufall war, stellt sich doch die Frage, warum junge Menschen solche sinnlosen Gewalttaten immer häufiger begehen.
Wer die Bilder der Attentate gesehen hat, kann nur tief schockiert sein. Die Traurigkeit, die ich empfinde, spürte ich auch bei meinen Kollegen mit denen ich zusammen bei einer Schweigeminute im Europa-Parlament den Opfern und ihren Familien gedachte. Jetzt wird nach den Ursachen gesucht und die Frage nach dem Warum treibt uns alle um.
Als langjähriger Bürgermeister in einer Stadt kenne ich die Situation an Schulen gut. Früher haben wir geglaubt, ein Amoklauf sei eine seltene Ausnahme. Doch in den letzten Jahren häufen sich Massaker an Schulen weltweit, wie Experten bestätigen. Die Bilder von den Massakern an den deutschen Schulen in Meißen, Erfurt und Emsdetten, bei denen Mitschüler und Lehrer von bewaffneten Jugendlichen ermordet wurden, haben sich tief in unser Gedächtnis eingegraben. Auch in Finnland hat es in den beiden vergangenen Jahren Amokläufe an Schulen gegeben.
Was treibt junge Menschen zu solchen entsetzlichen und sinnlosen Gewalttaten? Ich glaube, dass ein Teil der Antwort in unserer gesellschaftlichen Entwicklung zu suchen ist. Das Leben zu vieler junger Menschen wird von Ängsten und Sorgen beherrscht. Das Gefühl gescheitert zu sein, ein Verlierer zu sein in einer Gesellschaft, die nur Anerkennung für Erfolg hat, lässt sich aus vielen Abschiedsbriefen von Amokläufern herauslesen. Wir müssen darüber nachdenken, wie wir das Leben von jungen Menschen angstfreier gestalten können, wie wir den Leistungsdruck und die Erfolgsverpflichtung mindern können. Die Frage nach der Verfügbarkeit von Waffnen muss gestellt werden. Es ist mir unbegreiflich, wie es in einem Haushalt 18 Waffen, darunter ein Maschinengewehr, geben kann. Auch sollten wir darüber sprechen, wie Depressionen oder anderweitig krankhaftes Verhalten frühzeitig erkannt werden kann. Was können wir tun, um die Warnsignale richtig deuten zu lernen? - diese Frage wird uns alle beschäftigen, hoffentlich kann dadurch die nächste sinnlose Gewalttat verhindert werden.
Bild: Das Erfurter Gutenberg Gymnasium wenige Tage nach dem Amoklauf
Bildquelle: hier! Lizenz: hier!
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